Wieso werden keine Einzelkind-Patenschaften vermittelt?

 

Folgende Texte stammen aus der Webseite der Stiftung Zewo (Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Organisationen, die in der Schweiz Spenden sammeln):

 

Lassen Sie die Hände von Patenschaften für ein einzelnes Kind. Denn es sind ethisch problematische Marketinginstrumente, die falsche Erwartungen wecken. Unterstützen Sie besser ein nachhaltiges Projekt.

Es gibt Patenschaften, bei denen Sie ein persönliches Patenkind in einem Entwicklungsland erhalten. Das Kind schreibt Ihnen Briefe. Sie können es sogar besuchen. Dahinter steckt das ethisch problematische Marketing einer Organisation. Denn viele Patinnen und Paten meinen, ihre Hilfe komme direkt dem persönlichen Patenkind zu Gute. Für die Entwicklung eines Kindes sind jedoch Projekte nötig. Diese sorgen zum Beispiel für die medizinische Grundversorgung, sauberes Trinkwasser oder für Bildung. Richtigerweise kommen solche Projekte einer ganzen Gemeinschaft zu Gute, nicht einem persönlichen Patenkind.

Der direkte Briefkontakt bindet die Patinnen und Paten emotional an ihr Patenkind. So fühlen sie sich verpflichtet, das Kind und damit die Organisation über viele Jahre zu unterstützen. Manche Paten möchten direkt auf die Entwicklung des Kindes Einfluss nehmen. Die Organisation muss deshalb aufwändige Massnahmen zum Schutz der Kinder treffen. Auch die Besuchsmöglichkeit vermittelt ein unrealistisches Bild. Als Patin oder Pate kann man nämlich nicht selber beurteilen, wohin die Spende geflossen ist und was sie bewirkt hat.

 

 

Fünf Gründe gegen Einzelkind-Patenschaften

 

Grund 1: Sie grenzen aus und führen zu sozialem Ungleichgewicht

Eine Patenschaft für ein einzelnes Kind führt zu Spannungen im sozialen Umfeld des Kindes. Beispielsweise erhält das Patenkind mehr Aufmerksamkeit als andere Kinder, die ausgegrenzt sind.

Grund 2: Sie stellen das Bedürfnis von Patinnen und Paten über das Wohl der Kinder

Die persönliche Beziehung entspricht einem Bedürfnis von Patinnen und Paten, nicht jenem der Kinder. Die Kinder und ihre Familien befinden sich in einer Notlage, was das Marketing ausnutzt.

Grund 3: Sie schaffen unrealistische Erwartungen bei den Paten im Norden

Patinnen und Paten erhalten den Eindruck, dass sie ihrem Kind unmittelbar helfen. Einige wollen sogar die Verantwortung für das Wohl ihres Kindes übernehmen. Andere beschenken es oder laden es in die Ferien ein. Wieder andere möchten sich davon überzeugen, dass ihre Hilfe ankommt und dass es dem Kind gut geht. Diese Wünsche sind unrealistisch. Sie entstehen durch das Marketing der Organisation. Doch die Organisation kann diese unrealistischen Erwartungen nicht erfüllen. In der realen Welt haben die Patinnen und Paten keinen direkten Einfluss auf das Leben ihres Patenkindes. Sie können weder nachvollziehen, wohin ihre Spende genau fliesst, noch können sie beurteilen, wie ihre Hilfe wirkt. Das führt immer wieder zu Frustration und Enttäuschung. Die Organisation muss aufwändige Begleitmassnahmen entwickeln, um falschen Erwartungen vorzubeugen.

Grund 4: Sie wecken falsche Hoffnungen bei den Kindern

Persönliche Patenschaften können auch bei den Kindern falsche Hoffnungen wecken, zum Beispiel auf eine bessere Zukunft in einem fernen Land. Dies führt später zu Enttäuschungen, wenn die Träume nicht wahr werden. Die Organisation muss aufwändige Massnahmen treffen, um die Kinder zu schützen.

Grund 5: Sie sind nicht zeitgemäss

Die Botschaft, dass reiche Patinnen und Paten aus dem Norden ihre hilflosen Patenkindern aus dem Süden unterstützen, vermittelt ein veraltetes Weltbild. Die Entwicklungszusammenarbeit setzt heute auf Partnerschaft und nachhaltige Projekte. Dies sollen gemeinnützige Organisationen auch in ihrer Kommunikation vermitteln.

 

Hier finden Sie noch weitere Informationen zu diesem Thema.

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